Intelligentes Laden an öffentlichen AC-Ladesäulen gewinnt an Bedeutung
Intelligentes Laden war lange auf private Wallboxen beschränkt. Mit dem neuen Angebot von Enercity ändert sich das deutlich. Erstmals wird Smart Charging auch an öffentlichen AC-Ladesäulen ermöglicht. In Hannover stehen dafür rund 900 Ladepunkte zur Verfügung.
Der Ladevorgang startet dabei nicht sofort nach dem Einstecken. Stattdessen beginnt er automatisch zu Zeiten mit günstigen Strompreisen. Ziel ist es, Ladekosten zu senken und das Stromnetz zu entlasten.
So funktioniert intelligentes Laden im öffentlichen Raum
Die Steuerung erfolgt über die easyGo-App von Enercity. Im Hintergrund analysiert die App die Strompreisentwicklung der kommenden Stunden. Zusätzlich gibst du an, wann dein Elektroauto vollständig geladen sein soll.
Aus diesen Informationen berechnet das System den optimalen Startzeitpunkt. Häufig liegt dieser in den Nachtstunden oder bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien. Besonders Wind- und Solarstrom sorgen dann für niedrige Preise.
Automatisierter Ladevorgang ohne manuellen Aufwand
Der gesamte Prozess läuft automatisch ab. Du musst weder Ladezeiten überwachen noch Preise vergleichen. Das System übernimmt diese Aufgabe vollständig im Hintergrund.
Enercity beschreibt diese Technik als eine Art Dirigent. Der Ladevorgang wird passend zum Energiemarkt gesteuert. Das soll effizient, nachhaltig und komfortabel sein.
Der Tarif SmartLaden und die wirtschaftliche Betrachtung
Voraussetzung für die Nutzung ist der Tarif „SmartLaden“. Der erste Monat ist kostenfrei. Danach fällt eine monatliche Grundgebühr von 5,99 Euro an.
Enercity gibt an, dass pro Vollladung bis zu 1,50 Euro eingespart werden können. Je nach Batteriegröße entspricht das bis zu zehn Prozent der Ladekosten.
Nach diesen Angaben rechnet sich der Tarif ab etwa vier Ladevorgängen im Monat. Wer seltener öffentlich bei Enercity lädt, erzielt möglicherweise keine Ersparnis. Für Viellader kann sich das Modell jedoch lohnen.
Blockiergebühren und zeitliche Regeln an AC-Ladepunkten
An den öffentlichen AC-Ladesäulen gelten feste Zeitfenster. Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr fallen keine Blockiergebühren an. Tagsüber können Fahrzeuge bis zu vier Stunden ohne Zusatzkosten angeschlossen bleiben.
Die durch intelligentes Laden erzielte Preisersparnis wird dem easyGo-Konto gutgeschrieben. Das schafft Transparenz über den tatsächlichen finanziellen Vorteil.
Blockieren E-Autos Ladepunkte ohne Strombezug?
Mit intelligentem Laden entsteht eine neue Herausforderung im öffentlichen Raum. In teuren Stromphasen kann der Ladevorgang pausieren. Das Fahrzeug bleibt jedoch weiterhin an der Ladesäule angeschlossen.
Für andere E-Auto-Fahrer ist dieser Ladepunkt in dieser Zeit nicht nutzbar. Technisch ist der Ladepunkt belegt, obwohl kein Strom fließt. Das kann insbesondere zu Stoßzeiten problematisch werden.
Reicht die Ladeinfrastruktur in Hannover wirklich aus?
Enercity bezeichnet Hannover als eine der am besten versorgten Städte Deutschlands. Die hohe Dichte an Ladepunkten soll ausreichend Kapazitäten bieten. In der Praxis hängt das jedoch stark vom Standort und der Tageszeit ab.
In Wohngebieten oder stark frequentierten Bereichen kann es bereits heute zu Engpässen kommen. Wenn Ladepunkte blockiert werden, ohne aktiv zu laden, steigt das Konfliktpotenzial.
Intelligentes Laden als Beitrag zur Netzstabilität
Ein zentrales Ziel des intelligenten Ladens ist die Entlastung des Stromnetzes. Besonders in den Abendstunden steigt der Stromverbrauch stark an. Viele Haushalte nutzen gleichzeitig energieintensive Geräte.
Nach 21 Uhr sinkt die Nachfrage deutlich. In dieser Zeit sind Strompreise niedriger und Netze weniger belastet. Genau hier setzt intelligentes Laden an.
Perspektiven für die Zukunft der Elektromobilität
Langfristig können Elektroautos zu aktiven Bestandteilen des Energiesystems werden. Ladevorgänge könnten flexibel pausieren oder verschoben werden. Auch bidirektionales Laden ist denkbar.
Dabei würde Strom zeitweise aus der Fahrzeugbatterie ins Netz zurückfließen. Das könnte die Integration erneuerbarer Energien weiter verbessern.
Fazit: Fortschritt mit neuen Fragestellungen
Intelligentes Laden an öffentlichen AC-Ladesäulen ist ein wichtiger Schritt für die Elektromobilität. Die Technik bietet finanzielle Vorteile und unterstützt die Netzstabilität.
Gleichzeitig entstehen neue Fragen zur fairen Nutzung öffentlicher Ladepunkte. Blockierte Säulen ohne Strombezug könnten zum Akzeptanzproblem werden.
Entscheidend wird sein, wie Städte und Anbieter diese Herausforderungen lösen. Nur dann kann intelligentes Laden sein volles Potenzial entfalten.
